SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Phantasien und Wunschträume
Manchmal gerate ich ins Phantasieren, besonders oft, wenn mir langweilig ist oder ich traurig oder unzufrieden bin. Dann beschäftige ich mich häufig mit dem Klonen, das sich seit der Geburt von Dolly, dem ersten Klonschaf, laufend weiterentwickelt. Mit dem Thema befasse ich mich anfänglich jeweils wunschträumend. Dann stelle ich mir vor, dass man geliebte Verstorbene zurückholen könnte. Auch gefällt mir die Idee, die Anzahl guter Menschen vervielfältigen zu können.
Rückkehr auf den Boden der Realität
Aus dem Wunschtraum kehre ich allerdings jedes Mal auf den Boden der Realität zurück. Ich weiss ja, dass man eine Seele und das im Hirn Gespeicherte nicht klonen kann. Geklonte Äusserlichkeiten machen daher keinen Sinn. Mit der geklonten Schale von Putin oder Trump liesse sich höchstens dann etwas anfangen, wenn man die Hirn genannten Festplatten der klandestinen Freunde neu formatieren und mit einem besseren Betriebssystem neu bespielen könnte. Dieses Betriebssystem müsste Open Source und ausserhalb von Amerika, Russland und anderen dubiosen Staaten entstanden sein. Funktionieren dürfte es nur, wenn die Anwender friedfertig, charakterstark und altruistisch wären.
Warum mich das Thema dennoch nicht loslässt
Obwohl ich weiss, wie unrealistisch meine wunschträumenden Vorstellungen sind, kann ich mich der Versuchung hin und wieder trotzdem nicht erwehren. Um dies zu verstehen, muss muss man wissen, dass ich ein Fan der Bundesrepublik Deutschland bin, weil ich die Deutschen dank vieler persönlicher Bekanntschaften schätzen gelernt habe und noch immer schätze. Das ist auch der Grund, weshalb ich die deutsche Politik mit grosser Aufmerksamkeit und Anteilnahme verfolge.
Parallelen zwischen Deutschland und der Schweiz
Zwischen den deutschen und den schweizerischen Politikerinnen und Politikern erkenne ich niveaumässig und hinsichtlich der Ausrichtung sehr viele Parallelen. Was mich an den Deutschen stört, stört mich auch an den Schweizern. In beiden Ländern drängen leider nicht immer die Besten in ein Amt. Glücklicherweise gibt es aber auch Ausnahmen.
Die utopische Hoffnung auf Vervielfältigung
Deshalb kehre ich jetzt wieder zu meinen utopischen Klonwünschen zurück. Wenn man Boris Pistorius vervielfältigen könnte, ergäben sich wunderbare Perspektiven. In jedem demokratischen Land könnten dann Boris-Klone in der Regierung sitzen und die Freiheit schützen. Zum Nachteil Deutschlands wäre das nicht, weil die Deutschen das Original behielten. Den nördlichen Nachbarn der Schweiz würde dadurch noch nachdrücklicher bewusst, wie wertvoll der Original-Boris ist.
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- Peter-Jürg Saluz
Ein Leben an der Urne
Seit ich stimm- und wahlberechtigt bin, habe ich kaum je einen Urnengang ausgelassen. Das werde ich in Zukunft vielleicht aber doch einmal tun.
Eine Stadt, die über ihre Verhältnisse lebt
In unserer Gemeinde, die sich wegen ihrer Bevölkerungszahl unverdientermassen Stadt nennt, wird demnächst die Gemeindeexekutive neu gewählt. Man wird vielfach aufgefordert, am Wahlgang teilzunehmen. Meine Motivation ist indessen ziemlich klein, was ich auch begründen kann.
Die amtierende Stadtregierung ist mehrheitlich nicht vertrauenswürdig, denn sie wirft das Steuergeld mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Wenn etwas angeschafft oder gebaut werden soll, wird ohne Rücksicht auf die Kosten geplant und gehandelt. Dabei müsste man sich nur überlegen, wie sich normale Familien verhalten. Seriös ist es, wenn man sich mit Blick auf eine Anschaffung überlegt, wie viel diese kosten darf. Wenn ich ein Auto brauche und sechstausend Franken zur Verfügung habe, werde ich auf dem Occasionsmarkt nach einem Gefährt in dieser Preisklasse suchen und mich nicht nach einer neuen Luxuskarrosse umsehen.
Der Stadtrat meiner Wohngemeinde geht andere Wege. Er gibt sich Wunschträumen hin und macht sich über die finanziellen Konsequenzen erst dann Gedanken, wenn der Schaden entstanden und ein Verzicht nicht mehr möglich ist.
Der Angriff auf das Mitspracherecht
Demokratische Korrekturen sind manchmal jedoch möglich, und zwar in erster Linie dann, wenn das obligatorische Referendum gegeben ist. Weil sich das städtische Parlament oft willfährig zeigt, wenn der Stadtrat etwas zu üppig anrichtet, ist indessen auch das fakultative Referendum wichtig. Es hat in der Vergangenheit schon oft Schaden verhindert und die ausgabeneuphorische Politik ausgebremst. Das wird natürlich im sogenannten Stadthaus äusserst ungern gesehen. Deshalb soll jetzt die Gemeindeordnung revidiert und das Mitspracherecht der Stimmberechtigten limitiert werden. Das ist auch für jährlich wiederkehrende Ausgaben vorgesehen. Beabsichtigt ist, dass nur noch jährlich wiederkehrende Ausgaben von Fr. 400'000.– und mehr sowie einmalige Ausgaben über Fr. 1,5 Mio. dem fakultativen Referendum unterstellt sein sollen. Das könnte man sich auf der Zunge zergehen lassen, wenn man deswegen nicht erbrechen müsste.
Glücklicherweise können die Stimmberechtigten in meiner Wohngemeinde an der Urne selbst über ihre Entmündigung entscheiden. Ich hoffe deshalb, dass Kluge und demokratisch Gesinnte auch an die Urne gehen. – Urne heisst das Zettelbehältnis übrigens deshalb, weil man darin unsinnige Vorlagen bestatten kann.
Was bei Sachvorlagen möglich ist, spielt in diesem Jahr bei den Stadtratswahlen keine Rolle. Es nützt nämlich nichts, wenn man zum Wählen geht und sich nur für ungeeignete, mehrheitlich erneut kandidierende Personen entscheiden muss. Ich brauche in diesem Jahr also keinen Zettel für die Stadtratswahl. Ganz sicher werde ich aber jenen mit dem Nein zur Teilrevision der Gemeindeordnung einlegen. Obwohl es nichts nützt, werde ich mein Nein wollüstig mit einem dicken Stift schreiben.
Und wenn sich Leser in anderen Gemeinden, Kantonen oder Ländern fragen, weshalb ich meine Meinung an dieser Stelle kundtue, dann ist meine Antwort einfach: Versager und Demokratieabbauer gibt es überall – wachsame Augen hoffentlich ebenfalls.
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- Peter-Jürg Saluz
Bewunderung für kluge Frauen
Meine Frau und ich schätzen und bewundern eine Bekannte, die als Mutter, hochqualifizierte Berufsfrau und Sportlerin Beachtliches leistet. Mit dieser klugen Frau diskutieren wir sehr gerne über Alltagsfragen und selbstverständlich auch über politische Themen. Politische Diskussionen sind besonders intensiv, wenn es um die Stellung und Rechte der Frau geht. Bei solchen Themen vertreten unsere Bekannte und ich oft stark divergierende Ansichten. Das macht die Gespräche spannend und beeinträchtigt keineswegs unser freundschaftliches Einvernehmen.
Persönliche Betroffenheit
In letzter Zeit bin ich jedoch nachdenklich geworden. Unsere Bekannte erklärte mir, dass Sie die Differenzen bei Frauenthemen darauf zurückführe, dass ich ein Mann sei und zudem einer anderen Generation angehöre. Damit traf sie mein Ego. Zwar denke ich in gewissen Fragen konservativ, bin aber durchaus modern und aufgeschlossen, wenn ich von einer Sache überzeugt bin.
Wenn man mich allein aufgrund meines Mannseins für unobjektiv oder gar antifeministisch hält, trifft mich das sehr. Ich könnte zahlreiche, wegen ihres Einsatzes für die Frauen hoch angesehene Politikerinnen nennen, die mir so etwas niemals unterstellen würden.
Prägende Erfahrungen
Ich bin mit einer liebevollen Mutter aufgewachsen, die seinerzeit als hervorragende Sekundarschülerin weder eine Lehre absolvieren noch studieren durfte. Solche "Privilegien" blieben – ebenso wie Erbansprüche – ihren Brüdern vorbehalten.
Auch Erfahrungen jüngeren Datums prägten mich: 1970 kämpfte ich lange, jedoch erfolgreich, dafür, dass meine damalige Frau und ich mit unserem Allianznamen ins Telefonbuch eingetragen wurden. Nach hartnäckigem Hin und Her erreichte ich sogar, dass der Vorname meiner Frau alphabetisch korrekt vor meinem Vornamen stand.
Zu meinem Entsetzen durfte meine Frau jedoch aus gesetzlichen Gründen ohne meine Unterschrift nicht einmal ein Bankkonto eröffnen. Ich könnte zahlreiche weitere Ungerechtigkeiten aufzählen, die ich zu meinem Leidwesen und zum Nachteil der Frauen erlebt habe. Die Prüderie jener Zeit ist mir ebenfalls noch immer präsent. Sie wirkte ausnahmslos nachteilig für Frauen, während an unseren männlichen Ansprüchen nie gezweifelt wurde.
Eigenes Engagement
Sie können mir glauben, dass ich mich stets gegen Ungerechtigkeit gestemmt und für die Frauen eingesetzt habe. Mitarbeiterinnen von mir erhielten bei gleicher Funktion, gleichem Alter und gleicher Leistung stets den gleichen Lohn wie die Männer. Auch für die Fristenlösung habe ich mich engagiert, und dafür gibt es ebenfalls glaubwürdige Zeuginnen aus der Politik.
Meine Position
Zusammenfassend halte ich fest: Frauenrechte und Gleichberechtigung sind mir wichtig, und für Gerechtigkeit setze ich mich gerne ein. Mein Urteilsvermögen leidet weder unter meinem Mannsein noch unter meinem Alter. Entscheidungen, die an der Urne fallen, sind für mich richtig, wenn sie der Bevölkerungsmehrheit dienen, nicht wenn sie mir persönlichen Profit versprechen.
Meine Frau und ich haben deshalb die Einführung der 13. AHV-Rente abgelehnt und werden auch der komplizierten, kostspieligen Lösung für die Individualbesteuerung nicht zustimmen, obwohl wir finanziell davon profitieren würden.
Ich bin gerne Mann und auch nicht ungern schon älter. Verknöchert oder gar antifeministisch will ich jedoch nicht sein. Besonders auf den Magen schlägt es mir, wenn Generationen gegeneinander ausgespielt werden. Das vergiftet das Klima ebenso wie der teilweise überspitzte Geschlechterkampf.
