SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Das analoge Telefonnetz ist vor ein paar Jahren abgestellt worden, weil unsere Politikerinnen und Politiker modern sein wollten. Die bewährte Technik, die während Jahrzehnten weitgehend störungsfrei funktioniert hat, ist nicht mehr verfügbar. Internettelefonie ist angesagt. Störenfriede aller Art freuen sich.
Wir werden aber nicht im Stich gelassen. Man bereitet uns darauf vor, dass das heimische Telefon und auch unser Smartphone möglicherweise nicht funktionieren könnten. In einem solchen Fall soll man sich per pedes zu einem Treffpunkt begeben und von dort aus über eine Notverbindung die Polizei, die Feuerwehr oder einen Krankenwagen bestellen.
Wenn uns im Falle einer Evakuierung keine Transportmöglichkeit zur Verfügung steht, haben wir uns – sofern wir dann den Schutzraum verlassen können – am gleichen Treffpunkt einzufinden.
Ich staune über die Umsicht unserer Behörden und das „vorausschauende“ Denken der Analognetz-Zerstörer. Sie werden sicher auch umsichtig genug sein, um für das Abstellen von Krücken, Gehstöcken und Rollatoren zu sorgen.
Den Gedanken, dass die Massnahmen der „Überalterung“ – eine saufreche Formulierung – entgegenwirken sollen, will ich gar nicht erst aufkommen lassen.
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- Peter-Jürg Saluz
Früher haben TV-Krimis für Spannung gesorgt. Heute erledigen dies die Banken mit ihren Callcentern.
Jemand aus meinem Bekanntenkreis hat kürzlich etwas Wertvolles im Publikumssektor einer Kantonalbank-Filiale liegen gelassen und das Versehen schon auf dem Heimweg bemerkt. Er wollte deshalb telefonisch darum bitten, dass man die Sache umgehend sicherstelle, bis er sie abholen könne.
Von diesem Zeitpunkt an ist die Angelegenheit spannend geworden. Die einzige Direktwahl-Telefonnummer, die der Bankkunde noch kennt, ist diejenige seines Kundenberaters. Sie hat allerdings nichts genützt, da man beim entsprechenden Bankmitarbeiter nur einen Rückruf in unbestimmter Zeit verlangen konnte.
Die einzige Nummer, die mein Bekannter jetzt noch wählen konnte, hat ihn direkt in die endlose Warteschlange zur Callcenter-Hölle geführt. Mein Bekannter weiss jetzt alles über die verschiedenen Konten, über attraktive Anlagemöglichkeiten und die 3. Säule. Er kennt zudem auch den absolut unerträglichen Musikgeschmack der Bankverantwortlichen. Der Tinnitus ist ihm wenigstens noch erspart worden.
Weil mein Bekannter gleich mehrere Anrufversuche starten musste, ist ziemlich viel Zeit vergangen, bis man ihm helfen konnte. Das in der Bank Gebliebene hätte sich ein Unbefugter in dieser Zeit jederzeit behändigen können.
Am Schluss der leidigen Geschichte hat dann ein hilfsbereiter – vermutlich junger – Bankmitarbeiter doch noch für ein Happy-End gesorgt. Dank ihm ist nichts abhandengekommen und der genervte Bankkunde wieder leidlich zufrieden.
Ich bin es nicht, denn dass jetzt auch noch die Kantonalbanken ihre Kundschaft so schlecht wie gewisse Internet-Anbieter behandeln, finde ich grauenhaft. Wieder geht ein Schweizer Qualitätssiegel verloren. Das System ist krank und in dringenden Fällen absolut untauglich.
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- Peter-Jürg Saluz
Wenn ich meinen Enkelkindern von Redisfedern, Fliess- bzw. Löschblättern, Ärmelschonern und "Tintenlümpli" erzählen würde, müsste ich das ziemlich ausführlich tun. Mit den Begriffen könnten sie ohne zusätzliche Erläuterungen kaum etwas anfangen. Das macht mir bewusst, wie alt ich geworden bin.
Es ist vieles in Vergessenheit geraten, manchmal sogar glücklicherweise. Dass meine Enkelkinder nicht wissen, weshalb man heute Flüsse und Bäche renaturieren und Hochstammbäume neu anpflanzen muss, erspart meiner Generation und früheren Generationen die Blamage. An die brutalen und widersinnigen Ausmerzaktionen, die unsinnigen Eingriffe in die Natur und an viele andere Schandtaten der Vergangenheit möchten wir gar nicht mehr erinnert werden. Die Behauptung, dass das Zerstören und anschliessende Wiederherstellen einen grossen volkswirtschaftlichen Nutzen erzielt und der Arbeitsbeschaffung dient, würde bei unserer Klimajugend höchstens ein Kopfschütteln bewirken. Trotzdem wird sich am System nie etwas ändern, weil viel zu viele wirtschaftliche Interessen im Spiel sind. Zudem werden oft Lösungen mit temporärer Wirkung bevorzugt und anschliessende Spätfolgen einfach hingenommen.
Auch die Militärinfrastruktur aus dem Zweiten Weltkrieg, von Bunkern und Befestigungsanlagen über unterirdische Spitäler bis hin zu schweren Geschützen, wurde vielerorts vernichtet oder beseitigt. Und heute wird plötzlich wieder nach genau solcher Infrastruktur gerufen oder sie wird wieder als erwünscht betrachtet.
Weil immer mehr Bauwerke im Untergrund erstellt werden, überlassen wir den Folgegenerationen zudem eine Infrastruktur, deren Unterhaltskosten einmal jede Dimension sprengen werden. Wenn wir ungeachtet aller schädlichen Nebenerscheinungen das Hohelied der Elektromobilität singen, verkennen wir das Hauptproblem. Die zügellose Mobilität wird mit Elektrizität nämlich nicht verringert. "Nach uns die Sintflut" darf doch nicht unser Lebensmotto sein.
Es ist einfach tragisch: Wir werden immer erst klüger, wenn wir den Schaden bereits angerichtet haben. Ich warte bereits jetzt darauf, dass wir das analoge Telefonnetz wieder aufbauen, weil die Internet-Telefonie störungsanfällig ist und oft im dümmsten Moment ausfällt. Notrufnummern, die stunden- oder gar tageweise ausser Betrieb sind, müssten doch schon längst ein Umdenken bewirken.
Meine Enkelkinder kennen viele Begriffe nicht mehr, die mir vertraut sind. Sie haben mir trotzdem vieles voraus. Sie stellen unentwegt Fragen, die uns herausfordern und inspirieren. Von Peter Spuhler möchten sie vielleicht wissen, warum die Stadler Rail AG die Dächer ihrer Züge nicht längst mit stromerzeugenden Solarpanelen ausstattet. Die Antwort würde auch mich interessieren.
Eine Frage sollen meine lieben Enkelkinder mir aber bitte nicht stellen. Ich käme nämlich in arge Verlegenheit, wenn ich erklären müsste, warum meine Generation so oft so dumme Fehler gemacht hat und – leider, leider – immer noch macht.
