SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Es ist nicht zum ersten Mal, wenn ich heute wieder einmal über Musik und Gefühle schreibe. Musik ist für mich Lebenselixier und Medizin, allerdings nur sehr selten im klassischen Genre.
Mich kann Musik aufpeitschen, besänftigen, trösten, fröhlich, aber auch sentimental machen. Wenn ich auswähle, was ich gerade hören will, löse ich die zur Situation passenden Gefühle selbst aus. Dann entstehen die von mir gerade erwünschten Empfindungen.
In den Jahren, in denen ich als kaufmännischer Leiter auch in der Unterhaltungsbranche tätig gewesen bin, habe ich viele, auch international bekannte Sängerinnen und Sänger, Schauspielerinnen und Schauspieler und andere Kreative kennengelernt. Mit manchen von ihnen durfte ich sogar befreundet sein. Weil seither Jahrzehnte vergangen sind, sind diese Kontakte leider längst abgebrochen, denn viele liebe Menschen aus meinem damaligen Umfeld leben nicht mehr. Mein Interesse an ihrem kulturellen Schaffen ist trotzdem wachgeblieben.
Was ich mir seinerzeit aus beruflichen Gründen angehört und angesehen habe, ist nie ohne Wirkung geblieben. Nach aussen tragen musste ich aus kommerziellen Gründen natürlich immer restlose Begeisterung. Was ich wirklich gefühlt habe, ist aber stets mein persönliches Geheimnis geblieben. Ich gebe jedoch gerne zu, dass ich auch wahre Köstlichkeiten erlebt habe, die mir als schöne Erinnerungen geblieben sind.
Kürzlich habe ich mir beim Durchzappen auf der TV-Fernbedienung ganz unerwartet ein bewegendes musikalisches Erlebnis beschert. Ich bin mitten in der Aufzeichnung eines Konzerts gelandet, mit dem sich Ute Freudenberg am 22. Dezember 2023 in der Alten Oper zu Erfurt von der Bühne und ihrem treuen Publikum verabschiedet hat.
Zum Abschied ihrer über fünfzig Jahre währenden Karriere hat die Künstlerin ihr Publikum mit einem ganz besonderen Programm beschenkt und mir als anonymem TV-Zuschauer eine grosse Freude gemacht. Ich habe den Anfang der Sendung verpasst, aber im absolut passendsten Augenblick den Fernseher eingeschaltet. Schon bei den ersten Tönen und dem Anblick von Ute Freudenberg und Christian Lais gewusst, dass es „über oder auf die Dächer von Berlin“ gehen würde. Das Lied mit dem entsprechenden Titel, das die beiden Hand in Hand vorgetragen haben, versetzt mich jedes Mal in eine vergangene Zeit zurück. Die damit verbundene Melancholie ertrage ich, weil ich dafür mit wunderbaren Erinnerungen entschädigt werde.
Wenn Ute Freudenberg „Stark wie nie“ anstimmt, fühle sogar ich, dass Kräfte zurückkommen, wenn man nur daran glaubt. Trotzdem hat ein Lied für mich noch eine viel grössere, weil tröstliche Bedeutung. „Manchmal bist du noch hier“ geht mir mitten ins Herz, besonders deshalb, weil es mit „Du bist noch hier“ schliesst.
Nach einem gefühlreichen Fernseherlebnis fühle ich mich bereichert. Ich habe Ute Freudenberg nie kennengelernt und werde sie auch nie kennenlernen. Trotzdem weiss ich, dass ich mit ihr Gedanken teile, obwohl ich seit dem Stimmbruch, also seit gefühlten tausend Jahren, nicht mehr singen kann.
Weil Ute Freudenberg nicht zu meinem Bekanntenkreis zählt, wird sie diesen Text sicher nie sehen. Das hindert mich aber nicht daran, der sympathischen Künstlerin – sozusagen klandestin – alles nur Erdenkliche Glück für die Zukunft zu wünschen und „Du bist immer hier“ ins Stammbuch zu schreiben. Das Wort „noch“ lasse ich dabei aus guten Gründen weg.
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- Peter-Jürg Saluz
Dass mich Kriege und Katastrophen hilflos und tieftraurig machen, werden Sie bestimmt verstehen. Sie verspüren ja sicher auch ähnliche Empfindungen.
Nun sehen wir uns mit einem Ereignis konfrontiert, das für sich allein so schrecklich wie ein gewaltiges Kriegsverbrechen wirkt.
Ich denke an den doppelt gescheiterten Hinrichtungsversuch an Christa Pike, der in meinen Augen ein doppelter Mordversuch mit gesetzlicher Legitimation ist.
Von einem doppelten Mordversuch spreche ich deshalb, weil das heute 50-jährige Opfer der amerikanischen Justiz für eine zweifellos grauenvolle Tat drei Jahrzehnte lang in der Todeszelle auf das vermeintlich Unabwendbare gewartet hat.
In Amerika, wo manche Mörder milder bestraft und nicht selten sogar vorzeitig aus der Haft entlassen werden, ist die Schuld der bei der Tatverübung erst 18 Jahre alt gewesenen Mörderin zweifellos gesühnt. Zudem ist eine erneute Gefährdung durch Christa Pike nach dieser langen Zeit kaum vorstellbar.
Ich will die schreckliche Lebensgeschichte und die traurigen Einzelheiten hier nicht aufwärmen. Es gibt genügend Informationsmöglichkeiten, um mehr darüber zu erfahren und das Erschaudern noch zu verstärken.
Vielleicht erschrecke ich Sie mit dem Hinweis, dass ich kein grundsätzlicher Gegner der Todesstrafe bin. Wenn jemand sie nach meiner Auffassung verdient und zweifelsfrei einer entsprechenden Tat überführt worden ist, kann sie durchaus als angemessene Strafe angesehen werden. Ihr Vollzug muss jedoch ein Verfalldatum haben. Wer so lange in der Todeszelle sitzt wie der schlimmste nicht zum Tod verurteilte Mörder im Gefängnis, darf nach einer derart überlangen Haftzeit nicht mehr hingerichtet werden.
Ein mehrfaches Verabreichen einer Giftspritze oder das wiederholte Betätigen einer anderen Tötungseinrichtung darf es zudem auf gar keinen Fall geben. Wer einen Hinrichtungsversuch überlebt, soll keinen zweiten erdulden müssen. Irgendwann ist auch die schlimmste Tat gesühnt.
Ich frage mich, was man Christa Pike jetzt noch wünschen kann. Das Schönste wäre ein unbehindertes Weiterleben in Freiheit, und das Gnädigste wohl ein Einschlafen und Weggehen aus dieser schrecklichen Welt.
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- Peter-Jürg Saluz
Wenn Sie heute mit dem linken Fuss zuerst aufgestanden sind, wählen Sie bitte die Zwei. Wenn Sie die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgegeben haben, wählen Sie bitte die Sechs, und wenn sich niemand meldet, legen Sie den Hörer wieder auf die Gabel. Das können Sie beliebig oft wiederholen, sofern Sie sich in endlos langen Pausen überlaute, scheussliche Musik oder sogar dumme Pausentexte anhören wollen.
Kommt Ihnen das - trotz etwas seltsamer Schilderung - bekannt vor, weil Ihnen Ähnliches nur allzu oft ebenfalls passiert? Wir leben zwar in einer kommunikationsreichen Zeit, aber der direkte Kontakt zu den Menschen wird immer schwieriger. Menschen, die über Fachwissen und ein Minimum an Befugnissen verfügen, findet man ohnehin kaum mehr.
Kompetenzen aller Art sind rar geworden. Das merke ich jedes Mal, wenn ich als Kunde einer „trendigen“ Firma Hilfe brauche. Oft kann ich dann nicht einmal feststellen, ob man meine berechtigten Wünsche nicht erfüllen will, kann oder darf. Dafür weiss ich nach jedem frustrierenden Anruf, den ich zwangsweise mit einer Zahlenfolge starten musste, dass ich am Schluss ganz sicher eine Null gewählt habe…
