SALUZER Der BLOG
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- Peter-Jürg Saluz
Tapfere Menschen bewundere ich. Besonders jene, denen Krieg, Katastrophen, Krankheit, Verlust oder andere schwere Schicksalsschläge das Tapfersein aufzwingen. Ihre Tapferkeit unterscheidet sich von einer freiwillig übernommenen Herausforderung: Sie entsteht dort, wo Menschen einer Wirklichkeit standhalten müssen, die sie sich nicht ausgesucht haben. Es berührt mich, wenn sie unter solchen Umständen weiterleben, arbeiten, für andere sorgen und Hoffnung bewahren, obwohl ihnen vieles genommen wurde, was zuvor selbstverständlich erschien.
Davon unterscheidet sich für mich jene Unzufriedenheit, die aus Gewöhnung, Bequemlichkeit oder überhöhten Ansprüchen entsteht. Wer in Sicherheit lebt und dennoch meint, ohne diesen oder jenen Komfort nicht mehr leben zu können, weckt bei mir wenig Verständnis. Ich verachte deshalb nicht den Menschen, wohl aber eine Haltung, die aus einem nicht lebenswichtigen Wunsch eine Notwendigkeit macht. Gerade weil echtes Leid existiert, scheint mir diese Unterscheidung wichtig. Zwischen dem Verlust eines Zuhauses und dem Verzicht auf gewohnten Komfort, zwischen existenzieller Angst und vorübergehender Unbequemlichkeit liegen Welten.
Sorgenbeladene Menschen gibt es viele, und jeder geht anders damit um. Manche ziehen sich zurück, andere kämpfen, suchen Trost oder versuchen, ihre Gefühle zu verdrängen. Problematisch wird es für mich dort, wo das eigene Leid den gesamten inneren Raum einnimmt. Selbstmitleid kann zum Kreislauf werden: Jede Schwierigkeit bestätigt die eigene Benachteiligung, jede weitere Belastung erscheint als Beweis für die Ungerechtigkeit des eigenen Lebens. Je stärker man sich darauf konzentriert, desto weniger nimmt man wahr, was ausserhalb der eigenen Sorgen liegt.
Das bedeutet nicht, dass Leiden verdrängt werden sollte. Wer einen Verlust erlitten hat, darf traurig sein; wer Angst hat, darf Angst haben; wer erschöpft ist, darf es benennen. Es besteht jedoch ein Unterschied zwischen dem Anerkennen des eigenen Leidens und dem dauernden Kreisen darum. Das eine kann helfen, eine schwierige Situation zu verarbeiten; das andere kann einen darin gefangen halten.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Blick auf die Sorgen anderer zu richten. Wer trotz eigener Belastungen zuhört, hilft, tröstet oder einfach da ist, verlässt für einen Moment den engen Kreis der eigenen Sorgen. Das eigene Leid verschwindet dadurch nicht, erhält aber einen anderen Stellenwert. Aus der Erfahrung, selbst Schwierigkeiten zu kennen, kann eine besondere Fähigkeit zur Anteilnahme entstehen.
Wer sich um andere kümmert, hilft dabei nicht nur ihnen. Er erlebt sich nicht mehr ausschliesslich als jemand, dem etwas widerfährt, sondern als jemand, der handeln und etwas beitragen kann. Gerade darin liegt eine stille Form von Tapferkeit, die im Alltag leicht übersehen wird: trotz eigener Sorgen freundlich zu bleiben, zuzuhören oder die eigenen Bedürfnisse nicht zum Mittelpunkt jeder Situation zu machen.
Selbstfürsorge bleibt dabei wichtig. Anteilnahme darf nicht Selbstaufopferung bedeuten. Auch Helfende brauchen Grenzen, Erholung und die Möglichkeit, selbst Hilfe anzunehmen. Entscheidend ist auch die innere Haltung: Kann ich mein eigenes Leid ernst nehmen, ohne deshalb das Leid anderer auszublenden?
Echte Anteilnahme verlangt keinen Verzicht auf die eigenen Gefühle. Ich kann traurig sein und dennoch Trost spenden, Sorgen haben und trotzdem zuhören, etwas vermissen und gleichzeitig erkennen, dass ein anderer Mensch gerade mit einer existenzielleren Not kämpft. Das macht mein eigenes Leid nicht kleiner, verhindert aber, dass es zum einzigen Massstab für die Welt wird.
Vielleicht sollten wir deshalb vorsichtiger damit sein, aus jeder Unzufriedenheit einen Anspruch und aus jedem Wunsch eine Notwendigkeit zu machen. Wer zwischen wirklicher Not und unerfüllten Wünschen unterscheiden kann, gewinnt ein Stück innere Freiheit. Er muss nicht auf alles verzichten, kann aber bewusster entscheiden, was tatsächlich wichtig ist.
Wir können nicht verhindern, dass Menschen leiden, und wir können nicht jedes Schicksal gerecht machen. Wir können aber entscheiden, ob unser eigenes Leid unseren Blick verengt oder uns empfänglicher für das Leid anderer macht. Für mich liegt darin eine wesentliche Form von Anteilnahme.
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- Peter-Jürg Saluz
Wenn ich vor dem PC sitze, erlebe ich Unterschiedliches. Meistens "tippt es" einfach drauflos. Ganz selten versinke ich jedoch in Gedanken, ohne dass sich diese sofort auf die Tastatur übertragen lassen. Komischerweise führt mich die dann nötige, wenn auch seltene Suche nach einer Idee meistens in die Vergangenheit zurück. Es ist, als ob mir das Leben aktuell nichts mehr zu bieten hätte. Allerdings wäre das eine verdammt ungerechte Feststellung.
Denn ich bin von vielen Menschen umgeben, die mir wohlgesinnt sind. Menschen, die mir Gutes tun, mich unterstützen, mir zuhören, mir weiterhelfen oder mir mit kleinen Gesten den Alltag verschönern. Ihnen möchte ich heute einige Zeilen widmen.
Dass ich meine Familie zu diesem Kreis zähle, wird wohl niemand bezweifeln. Die Antwort auf die Frage, wer sonst noch dazugehört, könnte hingegen interessieren. Bevor ich darauf eingehe, muss ich allerdings die Verwendung des Wortes "wohlgesinnt" etwas näher erklären. Wohlgesinnt bin ich gegenüber den Menschen, die ich als mir wohlgesinnt erlebe. Das mag auf den ersten Blick widersinnig klingen, ist bei näherer Betrachtung aber durchaus logisch.
Menschen, die mir Gutes tun, sind mir nie gleichgültig – im Gegenteil: Ich bin ihnen dankbar und deshalb auch ihnen gegenüber wohlgesinnt. Dass sie viel für mich leisten, sich für mich einsetzen oder mir freundlich begegnen, lässt mich gleichzeitig vermuten, dass auch sie mir gegenüber wohlgesinnt sind. Offenbar gibt es beim Wohlgesinntsein eine Art gegenseitiges, beinahe logisches Gleichgewicht: Gutes erzeugt Vertrauen, Vertrauen fördert Dankbarkeit, und Dankbarkeit wiederum schafft Wohlwollen.
Deshalb soll nichts meiner Dankbarkeit Schranken setzen. Im Gegenteil. Jeder Tag ist ein günstiger Zeitpunkt, um sich bewusst zu machen, wem man etwas verdankt. Danke sage ich zwar jedes Mal, wenn es einen Anlass dafür gibt. Jede Handreichung, jedes liebe Wort und jede nette Geste sind mir ein Dankeschön wert. Das hat man mir als Kind beigebracht, und das möchte ich beibehalten. Denn ein ausgesprochenes "Danke" kostet wenig und kann doch viel bewirken.
Wie gross meine Dankbarkeit insgesamt sein sollte, wird mir allerdings erst dann richtig bewusst, wenn ich in Gedanken alle Menschen aufzähle, die mir Gutes tun. Meine Ärztin, meine Zahnärztin, die für mich tätigen Handwerker, das zuvorkommende Verkaufspersonal in den verschiedenen Läden und die hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Amtsstellen – sie alle verdienen meinen Dank und meine Anerkennung.
Wenn ich nun noch meinen persönlichen Freundes- und Bekanntenkreis sowie die Mitglieder meiner Familie dazuzähle, merke ich plötzlich, wie gross die Schar der von mir geschätzten Menschen ist. Und je länger ich darüber nachdenke, desto länger wird diese Liste. Allein dafür kann ich wiederum nur dankbar sein.
In Verbindung mit diesen Gedanken stelle ich mir die Frage, ob alle Menschen, an die ich jetzt denke, überhaupt wissen, wie sehr ich sie schätze. Ich würde es bedauern, wenn dem nicht so wäre.
Deshalb möchte ich dafür sorgen, dass möglichst viele dieser Personen diese Zeilen zu lesen bekommen. Sie sollen erfahren, wie wichtig sie für mich sind und wie dankbar ich ihnen bin. Vielleicht ist das sogar eine kleine Gegenleistung für all das Gute, das sie mir entgegenbringen.
Wohlgesinnt zu sein bedeutet nicht, dass immer alles perfekt sein muss. Es bedeutet auch nicht, dass man mit jedem Menschen einer Meinung sein muss. Wohlgesinnt zu sein heisst für mich vielmehr, dem anderen grundsätzlich mit Respekt, Offenheit und einem guten Willen zu begegnen. Wenn daraus gegenseitige Wertschätzung entsteht, ist viel gewonnen.
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- Peter-Jürg Saluz
Mut oder Feigheit?
Wenn ich dürfte, würde ich den Papst gerne fragen, ob er feige oder, als an Wunder glaubender Mensch, mutig sei. Das wäre natürlich unschicklich und fast blasphemisch. Deshalb muss ich wohl erklären, weshalb ich als Religionsloser auf so eine Idee komme.
Die Hilflosigkeit
So unglaublich es klingt – mich inspiriert die Hilflosigkeit. Ich kann es nicht ertragen, dass ich Putins verbrecherischem Kriegstreiben einfach zuschauen muss. Das endlose Leiden des tapferen ukrainischen Volkes beschäftigt mich jeden Tag. Ich vergesse ohnehin kein Volk, das kriegsbetroffen oder kriegsbedroht ist. Das macht meinen Alltag unerträglich, weil sich nichts verbessert und alles immer nur schlimmer wird.
Auch wenn ich die Innovationskraft der ukrainischen Rüstungsindustrie bewundere, weiss ich, dass der vom Internationalen Strafgerichtshof als Kriegsverbrecher gesuchte russische Diktator nicht leicht zu bezwingen ist. Menschliches Leben interessiert den nicht. Totale Vernichtung ist sein einziges Ziel. Wie Hitler, sein grosses Vorbild, verschont er niemanden. Zivilisten, Frauen, Kinder und sogar eigene Soldaten lässt er sterben, denn seine Brutalität kennt keine Grenzen.
Was hat das mit dem Papst zu tun?
Was das mit dem Mut oder der Feigheit des Papstes zu tun hat, will ich jetzt aber doch erklären. Wenn ich sehe, wie Menschenmassen strömen, wenn der Pontifex ruft, überlege ich mir immer, wie es wäre, wenn der Papst mit einer mehrwöchigen kirchlichen Massenveranstaltung in die Ukraine käme und mit einer Million friedfertiger Menschen ein riesiges Schutzschild aufbauen würde. Hochkarätige Politgrössen und Vertreter aller Glaubensgemeinschaften wären zur Teilnahme eingeladen.
Ich weiss, dass meine Idee utopisch ist. Vielleicht sollte man sie gerade deshalb einmal ausprobieren. Dass man auch den Mut von Donald Trump und D. J. Vance prüfen müsste, ist klar. Mit ihrer Teilnahme und dem päpstlichen Segen könnten die beiden Putin-Spezis dem russischen Kriegsverbrecher wenigstens einen Waffenstillstand abringen.
Phantast oder Spinner?
Wenn Sie mich jetzt Phantast oder gar Spinner nennen, kann ich Sie gut verstehen. Sie verleihen mir damit aber kein Alleinstellungsmerkmal. Allerdings sollten Sie sich dann für einen bestimmten Ballsaal-Erbauer einen anderen Begriff ausdenken. Anständige Menschen möchten nämlich nie seiner Kategorie angehören.
