Es fällt ihm nicht leicht, aber er muss zugeben, dass er während vieler, vieler Jahre von liebenswerten und tüchtigen Frauen verwöhnt worden ist. Im Haus und im Garten wurde ihm alles abgenommen, was man ihm abnehmen konnte. Hausarbeiten jeglicher Art blieben ihm weitgehend erspart. Verdientermassen bereitet ihm das heute ein schlechtes Gewissen.
Leider muss er es damit bewenden lassen, denn er ist nach einem unglaublich kurzen Unterbruch schon vor zwei Jahrzehnten wieder ins alte Muster verfallen. Nicht weil er unwillig wäre, sondern weil er unfähig ist. Wenigstens kann er seiner Frau noch administrative Aufgaben abnehmen. Weil diese keinen grossen Aufwand verursachen, ist die Leistungsbilanz von ihm und seiner Frau nach wie vor dramatisch unausgeglichen. Stolz darauf ist er selbstverständlich nicht. Er würde viel dafür geben, wenn er nicht so unbeholfen wäre und zum Beispiel moderne Geräte wie Kochherd oder Waschmaschine unbeaufsichtigt bedienen könnte. Da er am PC gut funktioniert, glaubt man ihm kaum, dass ihn die Haushaltsgeräte überfordern. Zudem sind es auch nicht nur Geräte, die ihn an seiner Unbeholfenheit verzweifeln lassen.
Vor längerer Zeit hat er einmal einen Sketch von und mit Claudio Zuccolini gesehen, den er anfänglich überhaupt nicht verstanden und deshalb auch nicht besonders lustig gefunden hat. “Zucco” veranstaltete mit einem fiktiven Fixleintuch allerlei verbale Strampeleien. Damals erschienen diesem dem hier beschriebenen Mann reichlich übertrieben. Mittlerweile sieht er das allerdings ganz anders.
Seit der kurzen Versuchsphase, in der er seine haushälterischen Fähigkeiten erfolglos getestet hat, weiss er, dass ihn sogar Fixleintücher überfordern. Er weiss aber auch, warum man moderne Bettlaken “Fixleintücher” nennt. Er ist nämlich schon fix und fertig, bevor er sein Bett frisch bezogen hat. “Spannbettlaken” kann man die widerspenstigen Textilien übrigens auch nennen, denn mit zwei linken Händen wird das Bettenbeziehen wirklich spannend.
Glücklicherweise erspart seine Frau dem unbeholfenen Mann weitere Versuche im Haus und im Garten. Dafür wächst sein schlechtes Gewissen unaufhörlich. Mit mehr als Dank und Anerkennung kann er nämlich nicht aufwarten.
Dass seine Unfähigkeit in seinen Genen liegt, glaube ich nicht. Er ist einfach ein Fossil aus einer anderen Zeit, aber auch froh, dass sein Sohn und seine Tochter die Fähigkeiten ihrer Mutter und keinen Makel von ihm geerbt haben. Deren Rollenverständnis ist bewundernswert, zeitgemäss, aber eigentlich auch ganz normal. Das sieht er ein.
Die Behauptung “Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg” stimmt in seinem Fall leider nicht. Modernes Wissen, gepaart mit reicher Lebenserfahrung und gegenseitiger Wertschätzung, wären zwar die bestmöglichen Voraussetzungen für eine faire Partnerschaft. Leider nützen sie aber nichts, wenn der Kopf nicht mitmacht und die Motorik nicht stimmt. Der gute Mann kann daher wirklich nur noch dankbar sein.
