SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Dass ausgerechnet in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer stärker unseren Alltag prägt, die grundlegenden Fähigkeiten unserer Kinder – Lesen, Schreiben, Rechnen und eigenständiges Denken – zu verkümmern drohen, ist tragisch. KI kann uns vieles abnehmen, aber sie kann uns nicht davon entbinden, selbst zu verstehen, zu beurteilen und Verantwortung zu übernehmen. Im Gegenteil: Je leistungsfähiger die Werkzeuge werden, desto wichtiger werden jene Fähigkeiten, die uns Menschen befähigen, mit ihnen sinnvoll umzugehen.
Allerdings beobachte ich diese Entwicklung nicht nur bei Kindern. Auch bei uns Erwachsenen stelle ich eine zunehmende intellektuelle Verkümmerung fest. Besonders vermisse ich zwei Fähigkeiten: miteinander zu kommunizieren und in Zusammenhängen zu denken. Beides ist anspruchsvoller, als eine pointierte Meinung zu äussern oder einen schnellen Lösungsansatz zu präsentieren. Es verlangt Aufmerksamkeit, Wissen, Geduld und die Bereitschaft, auch die Perspektive des Gegenübers einzunehmen.
Wenn Kommunikation gelingt und das Kommunizierte tatsächlich verstanden wird, ist vieles möglich. Missverständnisse können ausgeräumt, Vorurteile überwunden und tragfähige Lösungen gefunden werden. Gerade bei schwierigen politischen Fragen zeigt sich, wie wichtig dies ist. Wenn es gelänge, den Menschen in Russland verständlich zu machen, dass ein Ende der Herrschaft Putins die Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden und eine neue Freundschaft zwischen Russland und der Ukraine schaffen könnte, wäre ein riesiges Problem vielleicht eines Tages aus der Welt geschafft.
Auch bei innenpolitischen Fragen fehlt es häufig an der Bereitschaft, Zusammenhänge zu erkennen. Wer beispielsweise die Forderung nach einer Enteignung grosser Immobilienunternehmen unterstützt, sollte gleichzeitig bedenken, wem ein erheblicher Teil dieser Vermögenswerte wirtschaftlich zugerechnet wird. Über die Pensionskassen sind viele Menschen indirekt an Immobilienanlagen beteiligt. Wer über Enteignung spricht, muss deshalb auch die Interessen und das Eigentum der Versicherten berücksichtigen.
Dasselbe gilt für die unausweichliche Diskussion über die Zukunft unserer Altersvorsorge. Die Menschen leben heute länger als früher. Das ist grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung, hat aber Konsequenzen für die Finanzierung der Renten. Wenn die Rentenbezugsdauer steigt, muss für eine gleichbleibende wiederkehrende Rente über längere Zeit mehr Kapital zur Verfügung stehen. Wer diesen Zusammenhang verständlich erklärt, schafft die Voraussetzung dafür, dass notwendige Reformen überhaupt verstanden und akzeptiert werde. Wer dagegen nur mit Schlagworten arbeitet, darf sich nicht wundern, wenn Misstrauen und Widerstand wachsen.
Leider sind gerade kluge Politikerinnen und Politiker nicht immer Kommunikationstalente. Ihre Argumente mögen sachlich richtig und gut durchdacht sein, doch wenn sie nicht verständlich vermittelt werden, erreichen sie die Menschen nicht. Gleichzeitig treffen die Schwächen der politischen Kommunikation auf Ohren, die allzu oft nur das hören wollen, was einfach, laut und vermeintlich eindeutig klingt. So gewinnen die Sprücheklopfer schnell die Oberhand. Was "knackig" formuliert daherkommt, wird leicht für wahr gehalten. Das erspart das Nachdenken – zumindest so lange, bis die Wirklichkeit zeigt, dass manche Versprechen nicht einzuhalten sind und manche scheinbar einfache Kritik einer genaueren Prüfung nicht standhält.
Damit wird eine weitere Fähigkeit entscheidend: Wir müssen wieder lernen, zwischen einer plakativen Formulierung und einem überzeugenden Argument zu unterscheiden. Nicht alles, was einfach klingt, ist einfach. Nicht jede komplizierte Erklärung ist falsch. Und nicht jede Meinung verdient deshalb Zustimmung, weil sie selbstbewusst vorgetragen wird. Eine mündige Gesellschaft braucht Menschen, die zuhören, nachfragen, Zusammenhänge herstellen und bereit sind, ihre eigene Meinung zu überprüfen.
Das Erklären und das Verstehen werden deshalb wichtiger denn je. Darauf müssen wir uns alle vorbereiten – Kinder, Erwachsene und ganz besonders jene, die politische Verantwortung tragen. Wer überzeugen will, muss zunächst verstehen. Wer verstanden werden will, muss verständlich sprechen. Und wer andere für notwendige Veränderungen gewinnen möchte, darf ihnen die Zusammenhänge nicht vorenthalten.
Selbstverständlich werden auch wir Erwachsenen nie perfekt sein. Aber wir können versuchen, ehrlich, zielstrebig, anteilnehmend, kreativ und fleissig zu sein. Entscheidend ist dabei nicht nur, was wir tun, sondern auch, ob wir unser Handeln nachvollziehbar erklären können. Denn gute Entscheidungen entstehen dort, wo Menschen bereit sind, miteinander zu reden, einander zuzuhören und die Zusammenhänge zu verstehen. Gerade in einer Welt, in der uns die künstliche Intelligenz immer mehr Antworten liefern kann, müssen wir deshalb eine Fähigkeit besonders bewahren: die Fähigkeit, selbst zu denken.
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- Peter-Jürg Saluz
Für glücklich Verheiratete ist die eigene Partnerin oder der eigene Partner schlicht unvergleichlich – und genau so soll es sein.
Vergleiche stelle ich dennoch an: zwischen Frauen und Männern aus Wirtschaft und Politik. Das Ergebnis erstaunt mich immer wieder. Bei meinen Gegenüberstellungen obsiegen meist die Frauen, weil ihre Stärken sehr oft genau dort liegen, wo wir Männer unsere Schwächen haben.
Ich bin durchaus selbstbewusst, aber ebenso realistisch. Nach meiner Überzeugung wäre eine von Frauen regierte Welt friedlicher und rationaler. Dass ich dabei nicht an Sahra Wagenknecht oder Alice Weidel denke, versteht sich von selbst. Auch diese beiden Frauen sind unvergleichlich – allerdings ganz sicher nicht in dem hier gemeinten Sinn.
Eigentlich könnte ich mir das Vergleichen auch sparen und meine Darlegungen vereinfachen, indem ich lediglich festhalte, welche Frauen ich bewundere.
Von Giorgia Meloni habe ich einmal den Satz „Sono una donna, una madre, una sorella e una figlia.“ gehört und dabei erkannt, worin für mich weibliche Qualität zum Ausdruck kommt. Alles, was Frau Meloni verkörpert, können nicht alle Frauen sein, weil ihnen das Schicksal mitunter nur das „Frau-Sein“ zugesteht. Das weibliche Denken und Empfinden bleibt ihnen dennoch eigen – sofern sie nicht gerade Sahra oder Alice heissen.
Vielleicht möchten Sie nun wissen, welche Frauen ich bewundere. Alle aufzählen kann und will ich jedoch nicht. Von den Frauen, die mitten im Leben stehen und Verantwortung übernehmen, möchte ich in alphabetischer Reihenfolge Daniela Cavallo, die VW-Betriebsratsvorsitzende, Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Mitglied des Europäischen Parlaments, und Suzanne Thoma, Schweizer Topmanagerin, nennen.
Solche spontanen Aufzählungen sind naturgemäss unvollständig. Namen, die ich hier nicht genannt habe, bleiben deshalb keineswegs weniger präsent. Ich bewundere beispielsweise auch unsere Hausärztin und Anna, die „Force“ genannt wird und als ausgebildete Sanitäterin und Drohnenpilotin im Ukrainekrieg an vorderster Stelle für die Freiheit ihres Landes und zum Wohl Europas kämpft. Wie gesagt: Die Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig. Immer wieder kommen mir neue Namen in den Sinn. Natürlich gibt es auch Männer, die ich bewundere; auf meiner persönlichen Bevorzugungsliste stehen sie jedoch in der Minderheit.
Eine Frau möchte ich abschliessend noch besonders hervorheben. Sie heisst Kaja Kallas und prägt die Aussen- und Sicherheitspolitik der EU. Wenn man diese Frau klonen und an allen Brennpunkten dieser Welt einsetzen könnte, dürften wir der Zukunft zuversichtlich entgegenblicken.
Übrigens bin ich ein Glückspilz, denn ich darf seit vielen Jahren mit einer bewundernswerten Frau verheiratet sein.
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- Peter-Jürg Saluz
Zu den Bauern habe ich ein zwiespältiges Verhältnis. Ich glaube zwar, dass die Mehrheit dieses Berufsstandes Anerkennung verdient, doch deckt sich das leider nicht mit meinen persönlichen Erfahrungen. Im Verlauf meines Lebens habe auch ich freundschaftliche Kontakte zu Bauernfamilien gepflegt und dabei viel Positives erfahren.
Allerdings sind die negativen Erfahrungen bei mir weit nachhaltiger in Erinnerung geblieben.
Darüber habe ich schon früher berichtet. Deshalb will ich nicht noch einmal darauf eingehen. Ein aktuelles Ärgernis soll jedoch nicht unerwähnt bleiben. Ich denke an das Mercosur-Freihandelsabkommen, das der Bauernverband zum Gegenstand einer meines Erachtens unanständigen Erpressung macht. Handelsvereinbarungen mit südamerikanischen Staaten sind für die Schweiz wichtig. Die Märkte Brasiliens, Argentiniens, Uruguays und Paraguays sind insbesondere in Trump-Zeiten von Bedeutung für unser Land.
Im Zusammenhang mit dem Mercosur-Freihandelsabkommen hat der Bundesrat den Bauern Ausgleichszahlungen von insgesamt 158 Millionen Franken angeboten. Der umtriebige Bauernverbandspräsident Markus Ritter wollte die Summe auf 880 Millionen Franken erhöhen und hat die Zustimmung zum Freihandelsabkommen von diesem Betrag abhängig gemacht. Weil mittlerweile ein Kompromissvorschlag zur Diskussion steht, hat sich Ritter noch einmal wie folgt geäussert: "Eine halbe Milliarde ist das «absolute Minimum» für ein Ja zu Mercosur.”
Dass Erpressungen im Ritter-Stil möglich sind, haben wir Stimmberechtigten uns selbst zuzuschreiben. Wenn die Bauern eine solche Macht im Bundeshaus bilden, haben wir bei den Wahlen etwas falsch gemacht. Bei den nächsten Stände- und Nationalratswahlen muss die Bauernvertretung daher zwingend reduziert werden. Ich werde auf jeden Fall intensiv darüber nachdenken, bevor ich einem Bauern meine Stimme gebe.
Wenn es möglich wäre, müsste man Ritter zu einem Pokerspiel einladen und dafür – was leider nicht möglich ist – einen Stimmzettel mit zwei Fragen konstruieren. Die erste Frage würde lauten: "Wollen Sie dem Mercosur-Freihandelsabkommen zustimmen?" Zudem sollten die Stimmberechtigten entscheiden können, ob bei einer Annahme der Vorlage die vom Parlament für die Bauern vorgesehene Kompensationsleistung erbracht oder verweigert werden sollte.
Weil ich weiss, dass sich meine Idee kaum verwirklichen lässt, wäre als flankierende Massnahme eine Volks- oder Ständeinitiative zu lancieren. Der Initiativtext müsste lediglich die Zustimmung zum Abkommen ohne Kompensationszahlung vorsehen. Das Parlament könnte die Begünstigung der Bauern dann immer noch in einem Gegenvorschlag unterbringen.
Gegen die ursprüngliche Vorlage wird fast sicher ein Referendum zustande kommen. Es lohnt sich daher, rechtzeitig alles vorzukehren, damit die Erpresser und Zauderer auf der Strecke bleiben und das Mercosur-Freihandelsabkommen zustande kommt.
