SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Mir begegnen immer wieder Eltern, ganze Familien oder Verwandte, die in Geiselhaft genommen werden. Es sind fast immer gütige, empathische Menschen, die dieses Schicksal erleiden.
Endlos wiederkehrende Rücksichtnahme und grenzenloses Verständnis für nicht zu Verstehendes führen häufig zu einseitigen Abhängigkeiten.
Wenn wir bei jedem Straftäter zuerst nach Gründen suchen, die seine Schuldfähigkeit infrage stellen, schaffen wir immer ein Problem. Ausserdem erwecken wir bei "Gutmenschen" einen Nachahmungstrieb, der mit unangebrachter Milde spätere Wiederholungstäter schafft.
Eine ebenso fatale Situation entsteht, wenn die Eltern eines süchtigen Sohnes oder einer süchtigen Tochter vor lauter Angst um die betreffende Person alles vorkehren, damit niemand inne wird, was abgeht. Wer laufend, oft mit dem Suizid-Gespenst vor den Augen, jede Missetat einer süchtigen Person ausbügelt, macht sich manipulierbar und hilflos.
Ich bin strikt dagegen, dass die Problemverursacher ungeschoren bleiben, während ihr Umfeld unter dem fortwährend wachsenden Schaden leidet und gleichwohl alles immer wieder in Ordnung bringen will.
Mir hat einmal ein Bekannter erklärt, dass er sich sehr schäme, weil er seinem missratenen Zögling kein langes Leben mehr wünsche. Für mich ist dieser Wunsch verständlich. Allerdings kann ich ihn nur bedingt nachvollziehen, weil ich als Vater nie vergleichbare Erfahrungen gemacht habe oder machen muss.
Dass guter Rat teuer ist, merkt man, wenn man mit manipulierbaren Eltern von suchtkranken oder psychisch auffälligen Nachkommen in Kontakt kommt. Man sieht dann ihr Leiden und weiss gleichzeitig, dass man sie von diesem nicht befreien kann, weil die Person, die rücksichtsvoll und liebevoll beschützt wird, die Zügel wie eine Domina in den Händen hält.
Ich plädiere für weniger Rücksichtnahme und mehr Egoismus. Wenn es den Verursachern besser als ihrem Umfeld geht, stimmt etwas nicht. Besorgte Eltern oder Verwandte dürfen konsequent sein und müssen dafür auch nie ein schlechtes Gewissen haben.
Noch etwas restriktiver bin ich in Bezug auf Straftäter, die Menschen physisches Leid zufügen. In eindeutigen Situationen verursacht bei mir schon die Unschuldsvermutung grösstes Unbehagen. Dieses wird aber grenzenlos, wenn das Gericht die Schuldunfähigkeit feststellt oder aus Rücksichtnahme auf die Psyche eines Täters eine Strafe mildert. Weil das Strafgesetzbuch genau solches vorsieht, sollte es dringend geändert werden. Die Befindlichkeit eines Straftäters interessiert mich nicht. Der Schutz der Bevölkerung hat Priorität. Deshalb darf man schlimme Straftäter nie mehr auf die Allgemeinheit loslassen. Es gibt zu viele Wiederholungstaten, die Folge eines zu soften Strafvollzugs und misslungener Resozialisierung sind.
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- Peter-Jürg Saluz
Es gibt viele Figuren, die in meinen Augen Feinde sind. Besonders schlimm finde ich natürlich Kriegsverbrecher und Diktatoren, aber ganz generell jene, die Kindern, alten Menschen und Tieren Leid zufügen.
Obwohl es viele Menschen gibt, die sich auch im Tierschutz engagieren, sind die Bestrebungen zugunsten der Tiere immer noch zu kraftlos. Im National- und Ständerat reagiert man auf Tierleid mit Gleichgültigkeit und Etikettenschwindel. Das jüngste Beispiel liefert unsere Politik im Zusammenhang mit der Stopfleber, die in der Schweiz zwar nicht mehr produziert, aber immer noch gekauft werden kann. Die beiden Kammern wollen kein Importverbot für das tierquälerisch erzeugte Produkt, das verwerflicherweise in der Schweiz und insbesondere in der Westschweiz noch immer rege konsumiert wird.
Die Argumente der Foie-Gras-Liebhaber bringen mich in Rage. Sie sind genauso übel wie jene, die in Spanien für blutige Stierkämpfe und andere Tierquälereien angeführt werden. Dass sie im National- und Ständerat mehrheitlich unterstützt werden, ist erschreckend.
Vermutlich wird man bald behaupten, dass die Ratsmehrheiten keinesfalls Tierleid begünstigen wollen. Deshalb möchte ich erläutern, weshalb ich gegenteiliger Meinung bin.
Das Parlament lehnt ein Einfuhrverbot für Stopfleber ab und empfiehlt eine Initiative, die ein solches Verbot verlangt, zur Ablehnung. Stattdessen soll ein Gegenvorschlag angenommen werden, der mit neuen Regeln eine schrittweise Reduktion des Konsums von Foie Gras ermöglichen, aber nicht erzwingen soll. Offenbar wollen Bundesrat und Parlament den «Genuss» des brutal produzierten Produktes nicht verhindern.
Mich erstaunt es nicht, dass Ethik und Tierschutz in der Politik keine grosse Lobby haben. Das weiss ich nicht zuletzt dank der im letzten Jahr verstorbenen Bundesratskandidatin Christiane Brunner. Sie hat sich nämlich auf dem Höhepunkt ihrer Popularität in einem Interview zum Thema "Genuss" geäussert und von Cuisses de grenouilles und Foie Gras geschwärmt. Das Tierleid, das solche "Köstlichkeiten" verursachen, ist der Frau damals so egal gewesen, wie es heute diversen Parlamentariern und Parlamentarierinnen ist.
Wenn es nach mir ginge, dürfte in unser Land kein tierquälerisch erzeugtes Produkt eingeführt werden. Jede Missachtung des Verbots müsste streng bestraft werden.
Mit der derzeitigen Zusammensetzung unseres Parlaments wird mein Wunsch leider eine Utopie bleiben. Daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Eine Hoffnung hege ich trotzdem: Wenn die Initiative für ein Einfuhrverbot für Foie Gras zur Abstimmung kommt, sollen alle tierlieben Menschen an die Urnen gehen, das Volksbegehren mit überwältigendem Mehr gutheissen und den niederträchtigen, das Tierleid ignorierenden Gegenvorschlag ablehnen.
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- Peter-Jürg Saluz
Wenn Zeitungen – wie zum Beispiel der dabei besonders aktive Tages-Anzeiger – ihre Kommentarspalten öffnen, tun sie damit etwas Gutes und gleichzeitig etwas Verheerendes. Gut wirkt sich dieses Angebot dort aus, wo es fruchtbare Diskussionen ermöglicht, unterschiedliche Standpunkte sichtbar macht und beim Verbreiten neuer Ideen hilft.
Eine lebendige Kommentarspalte kann ein Ort des Austauschs sein: Leserinnen und Leser können auf Gedanken reagieren, Argumente ergänzen, Widerspruch anmelden und dadurch eine Debatte weiterentwickeln, die über den ursprünglichen Artikel hinausgeht. Gerade in einer Zeit, in der öffentliche Diskussionen häufig von schnellen Urteilen und zugespitzten Botschaften geprägt sind, ist ein solcher Raum für einen sachlichen und respektvollen Meinungsaustausch grundsätzlich wertvoll.
Doch die Realität sieht nicht immer so erfreulich aus. Die begrenzte Zeichenzahl und insbesondere die Unmöglichkeit, Kommentarverfasserinnen und -verfasser per E-Mail direkt anzuschreiben, schränken den fruchtbaren Meinungsaustausch erheblich ein. Ein kurzer Kommentar zwingt komplexe Gedanken in ein enges Korsett. Noch problematischer ist jedoch, dass eine öffentliche Antwort oft an die Stelle eines persönlichen Gesprächs tritt. Wer eine interessante Überlegung aufgreifen oder eine abweichende Meinung ausführlicher erläutern möchte, bleibt auf wenige Zeichen beschränkt. So entsteht leicht ein Nebeneinander von Einzelstatements, statt ein wirklicher Dialog.
Besonders bedauerlich ist, dass offene Kommentarspalten auch jenen eine Bühne bieten, denen es weniger um einen konstruktiven Gedankenaustausch als um Provokation, persönliche Angriffe oder bösartige Polemik geht. Die Anonymität oder zumindest die Distanz des digitalen Raums senkt für manche Menschen die Hemmschwelle. Ein Satz, den man einem Gegenüber im persönlichen Gespräch kaum sagen würde, ist unter dem Schutz der Distanz schnell geschrieben und veröffentlicht. Für Redaktionen bedeutet dies gleichzeitig einen erheblichen Kontrollaufwand: Sie müssen Kommentare prüfen, problematische Beiträge entfernen und darüber entscheiden, wo die Grenze zwischen einer pointierten Meinung und einem unangebrachten persönlichen Angriff verläuft.
Dabei könnte sich eine vergleichsweise einfache Praxisänderung lohnen: Kommentare sollten nur noch in Verbindung mit einer sichtbaren E-Mail-Adresse veröffentlicht werden. Eine solche Regel würde zwar nicht sämtliche Probleme lösen, könnte aber die Qualität der Diskussion deutlich erhöhen. Wer mit seinem Namen und einer erreichbaren E-Mail-Adresse für einen Beitrag einsteht, wird sich in vielen Fällen genauer überlegen, was er schreibt und in welcher Form er es formuliert. Üble, beleidigende oder bewusst verletzende Texte dürften dadurch mit einem Schlag zumindest deutlich reduziert werden. Gleichzeitig würde die Kontrolle der Kommentarspalten für die letztlich mitverantwortlichen Redaktionen einfacher, weil die Verfasserinnen und Verfasser nicht mehr vollständig anonym blieben.
Der entscheidende Vorteil läge jedoch nicht allein in der besseren Kontrolle, sondern in der Möglichkeit, den eigentlichen Dialog zu fördern. Gute Gedanken müssen nicht zwangsläufig in eine vorgegebene Zeichenzahl passen. Wer einen interessanten Einwand, eine Ergänzung oder eine eigene Erfahrung mitzuteilen hat, sollte die Möglichkeit erhalten, dies ausführlicher und unmittelbar zu tun. Über eine sichtbare E-Mail-Adresse liessen sich solche Gedanken direkt und ohne Zeichenbeschränkung an die Frau beziehungsweise an den Mann bringen. Aus einem kurzen öffentlichen Kommentar könnte so ein persönlicher Austausch entstehen, aus einem Widerspruch ein Gespräch und aus zwei unterschiedlichen Meinungen vielleicht sogar eine neue gemeinsame Einsicht.
Natürlich setzt ein solcher Ansatz voraus, dass mit den angegebenen E-Mail-Adressen verantwortungsvoll umgegangen wird und die Veröffentlichung tatsächlich freiwillig und transparent geregelt ist. Entscheidend ist nicht, Menschen vom Kommentieren abzuhalten, sondern die Voraussetzungen für einen fairen und ernsthaften Austausch zu verbessern. Eine Kommentarspalte sollte kein Ort sein, an dem die lauteste oder verletzendste Stimme den grössten Raum erhält. Sie sollte vielmehr dazu beitragen, Argumente sichtbar zu machen, Fragen aufzuwerfen und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Wo der echte Dialog gefördert und die bösartige Polemik verbannt wird, weckt eine Kommentarspalte keine ambivalenten Gefühle mehr. Genau diesen Anspruch möchten auch wir an unseren Blog stellen. Unser Blog soll kein Schauplatz für anonyme Wortgefechte sein, sondern ein Ort, an dem Gedanken ernst genommen, kritisch geprüft und respektvoll weiterentwickelt werden können. Deshalb nehmen wir Kommentare ausschliesslich per E-Mail entgegen. Auf diese Weise erhalten sie unsere volle Aufmerksamkeit. Wir können uns mit den vorgebrachten Argumenten in Ruhe auseinandersetzen, Rückfragen stellen und dort, wo es sinnvoll und gewünscht ist, einen direkten Dialog aufnehmen.
Gehaltvolle und anständige Beiträge werden von uns ganz sicher nicht unter den Teppich gekehrt. Im Gegenteil: Eine begründete Kritik, ein kluger Einwand oder eine neue Perspektive sind für uns wertvoll. Wir verstehen Kommentare nicht als lästige Begleiterscheinung, sondern als Chance, den eigenen Blickwinkel zu erweitern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Diskussion von gegenseitigem Respekt getragen wird. Denn ein wirklicher Meinungsaustausch beginnt dort, wo man bereit ist, dem anderen zuzuhören und endet nicht dort, wo die eigene Meinung feststeht.
