SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Über die eigene Gesundheit zu sprechen, fällt mir nicht leicht. Meine Beschwerden empfinde ich zwar als lästig, aber nicht als etwas, das mein Denken und Handeln bestimmen darf. Viel wichtiger ist mir, wie es den Menschen geht, die mir nahestehen. Ihre gesundheitlichen Sorgen berühren mich weit stärker als meine eigenen.
Meine eigenen gesundheitlichen Probleme sind für mich wirklich keine grosse Sache. Am liebsten spreche ich gar nicht darüber. Entsprechend unangenehm ist es mir, wenn ich wegen meiner Gesundheit einer gesellschaftlichen Verpflichtung nicht nachkommen kann und mich dafür erklären muss. Fragen nach meinem Befinden empfinde ich in solchen Situationen und eigentlich immer als belastend und nicht hilfreich.
Ganz anders erlebe ich gesundheitliche Probleme von Familienmitgliedern, Verwandten und Freunden. Wenn ein Mensch, der mir nahesteht, ernsthaft erkrankt, einen Unfall erleidet oder sich psychisch nicht wohlfühlt, trifft mich das mitten ins Herz, besonders dann, wenn ich für ihn nichts tun kann.
Völlig hilflos fühle ich mich jedoch nicht immer. Wenn ein kranker Mensch mit mir sprechen möchte und mich das wissen lässt, kann ich mit der Situation am besten umgehen. Entscheidend ist für mich dabei, dass die betroffene Person selbst bestimmt, ob und wann sie ein Gespräch mit mir führen will. Anteilnahme soll nicht aufgedrängt werden. Wer sie braucht und wünscht, darf sie aber einfordern.
Bei einem Gespräch, das unter diesen Voraussetzungen zustande kommt, werde ich in erster Linie immer Zuhörer und nicht Fragesteller sein. Ich werde auch nie ungefragt Ratschläge erteilen oder Erklärungen abgeben. Es geht weniger darum, Lösungen zu finden, als darum, da zu sein. Vielleicht erfahre ich mit Einfühlungsvermögen auch, was von mir erhofft oder gar erwartet wird. Grenzen darf es dabei keine geben.
Ich weiss, wie wichtig eine subtile Wortwahl ist. Trotzdem suche ich nie nach der perfekten Formulierung, denn aufrichtig empfundene Anteilnahme lässt mich immer den richtigen Ton finden. Zudem ist geduldiges Zuhören ohnehin am wertvollsten.
Wenn ich für Menschen in bedrängten Lebenssituationen Zuhörer, Gesprächspartner und manchmal auch Tröster sein darf, gibt mir das auch selbst etwas. Es kann, wie ich das auch bei Trauerfällen schon erlebt habe, durchaus sein, dass ein Tröster zum Getrösteten wird. Was Verbundenheit schafft und verstärkt, tut auf jeden Fall gut – ganz besonders in schwierigen Lebenslagen.
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- Peter-Jürg Saluz
Was ich früher übersehen oder bewusst ignoriert habe, interessiert mich erstaunlicherweise mit zunehmendem Alter. Dafür schenke ich bestimmten Dingen keine Aufmerksamkeit mehr, weil ich sie unerträglich finde.
Meine altersbedingte Metamorphose lässt sich am besten anhand von Filmen erklären. Früher liebte ich spannende, sogar bluttriefende Krimis und Katastrophenfilme. Heute schaue ich mir solche Streifen nicht mehr an, weil die reale Wirklichkeit brutal genug ist. Bluttriefendes würde ich allenfalls dann geniessen, wenn es um eine reale Dokumentation über das Lebensende von Diktatoren und Kriegsverbrechern ginge.
Was immer meine Aufmerksamkeit findet, sind Reportagen über Innovatives, bildende Sendungen oder Beiträge über die Natur und die Tierwelt.
Manchmal brauche ich auch Unterhaltendes, damit ich mich ablenken lassen kann. Dann helfen mir Musiksendungen und – ob Sie es glauben oder nicht – sogar Filme in der Rosamunde-Pilcher-Art. Ich schäme mich neuerdings nicht einmal mehr, wenn ich mir eine seichte Soap "hereinziehe". Dabei kann ich sogar ein Spiel mit mir selbst spielen. Ich denke beim Zuschauen nämlich immer ein paar Sequenzen voraus und überlege mir, was als Nächstes passiert. Das Erraten fällt mir nie schwer, denn das Strickmuster ist bei fast allen Schnulzen dasselbe.
In einer friedlichen Zeit hätte Rosamunde Pilcher bei mir keine Chance. Gerade deshalb wird sie vermutlich aber noch unendlich lange meine Unterhaltungsbegleiterin bleiben. Es sei denn, eine reale Dokumentation über die wirkliche Hinrichtung von Kriegsverbrechern und Diktatoren würde ihr die Schau stehlen.
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- Peter-Jürg Saluz
Der US-Rapper Macklemore ist nach propalästinensischen Äusserungen aus dem Vorprogramm von Ed Sheerans aktueller Tour gestrichen worden. Daraufhin haben sich mehrere Musiker mit ihm solidarisiert und Auftritte als Support-Acts abgesagt.
Dass der Rausschmiss von Macklemore gegen die Intentionen von Sheeran durch den Tourveranstalter erzwungen worden ist, nehmen nicht alle bisherigen Sheeran-Fans zur Kenntnis. Deshalb ist die Gefolgschaft des Künstlers kleiner, dafür aber engagierter geworden.
Mich interessiert die Angelegenheit nicht aus musikalischen Gründen. Mich beschäftigt jedoch die einseitige Betrachtungsweise, die im Zusammenhang mit Israel und Palästina immer wieder zutage tritt. Deshalb versuche ich hier einmal mehr, die Sache auf einen Nenner zu bringen.
Kriegsverbrechen müssen verhindert und, wenn dies nicht möglich ist, zweifellos geahndet werden. Ich bedaure es zutiefst, dass der schreckliche Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 nicht verhindert werden konnte, weil möglicherweise Warnungen der Geheimdienste nicht ernst genommen wurden. Die schreckliche Bilanz mit 1’195 überwiegend jüdischen Todesopfern macht sprachlos und tieftraurig.
Die Stimme erheben muss man trotzdem, denn man kann ein grosses Verbrechen nicht mit Kriegsverbrechen sühnen. Unter der Hassregierung von Benjamin Netanjahu passiert aber genau das.
Was der Bevölkerung im Gazastreifen und im Westjordanland angetan worden ist und noch immer angetan wird, ist ein Kriegsverbrechen der schlimmsten Art. Wer dafür den Staat Israel verantwortlich macht, darf nicht als Antisemit bezeichnet werden. Er ist es auch nicht, wenn er Freiheit für das palästinensische Volk und eine Zweistaatenlösung fordert und die gewalttätigen jüdischen Siedler im Gefängnis sehen will.
Das ist meine Meinung, die ich an jeder Stelle kundtun will und, wenn ich in der Öffentlichkeit stünde, an jeder Veranstaltung unzensuriert zum Besten geben würde.
Antisemitismus muss bekämpft werden. Wer das Problem Israel/Palästina nicht fair und objektiv betrachtet und diskutiert, macht aber genau das Gegenteil. Er macht aus dem Antisemitismus eine rein jüdische Autoimmunerkrankung.
Das «Nie wieder!», das uns Margot Friedländer als Vermächtnis hinterlassen hat, muss für alle Religionen und für alle Menschen gelten.
